Sie saß da wie angewurzelt, und konnte ihren Augen

kaum trauen...

Sie saß da, wie angewurzelt, und konnte ihren Augen kaum trauen. Dort, wo bis eben noch die Stadt vor ihrem Fenster zu sehen war, war nun nichts. Und damit meinte sie nicht nur, keine Stadt mehr, sondern im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Es war, als hörte die Welt vor den Mauern ihrer eigenen Wohnung auf. Was war passiert? Wo war alles hin? Es war nicht schwarz, es war nicht weiß, es war – NICHTS. Etwas, das noch nie ein Mensch so gesehen hatte und das auch noch nie ein Mensch beschrieben hatte. Bislang hatte es nichts gegeben, das ein Nichts war. Bis jetzt. 

Langsam erhob sie sich von ihrem Stuhl und ging durch den Flur zur Wohnungstür. Wie gebannt starrte sie auf die Türklinke und griff danach. Sie bewegte sich wie in Zeitlupe, wollte genauso sehr wissen, was sie hinter der Türe erwartete wie sie es auch wieder nicht wissen wollte. Als sie die Klinke hinunterdrückte, hielt sie den Atem an. Und zog die Tür auf. 

Nichts. Das Treppenhaus war verschwunden. Wie konnte das sein? Sie wohnte im fünften Stock, wie konnte ihre Wohnung noch da sein, aber alles andere nicht? Schwebte sie nun mitsamt ihrer Wohnung im Nichts? Vorsichtig schob sie Hand durch den Türbogen. Dort, wo ihre Hand ins Nichts griff, verschwand auch sie selbst. Ihr Arm endete kurz hinter dem Handgelenk. Sie wackelte mit den Fingern, sie konnte sie spüren, nur nicht sehen. Erschrocken zog sie die Hand zurück. 

Sie schloss die Tür und ging zum Telefon. Nichts als ein statisches Rauschen schallte ihr aus der Ohrmuschel des altmodischen Apparats entgegen. Auch das Handy beschränkte sich auf ein sphärisches Geraschel. Sie trat ans Küchenfenster. Kein anderer Ausblick als im Arbeitszimmer. Überall nichts. Sie hörte ein Miauen vor der Tür. Sie ging hin und öffnete die Tür erneut. Ihr Kater Flocke stolzierte hoch erhobenen Schwanzes an ihr vorbei in die Wohnung. Wie konnte er im Nichts da draußen die Wohnung finden? Vorsichtig stellte sie einen Fuß vor die Tür, dorthin, wo früher mal ihre Fußmatte gelegen hatte. Sie spürte die Weichheit der Fußmatte, belastete den Fuß und zog vorsichtig das andere Bein nach. Dann schloss sie die Tür hinter sich. Plötzlich war die Welt wieder da. Das Treppenhaus war hell erleuchtet, Frau Müller aus dem 6. Stock rief ihrem Mann hinterher, er solle an die Eier denken. Sie drehte sich um. Dort, wo vorher noch ihre Wohnungstür war, sah sie nun NICHTS.

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© 2019 by Mona Silver