Die Welt steht still

Was wäre, wenn du für einen Moment die Zeit anhalten und die Welt nach deinem Belieben verändern könntest?

Die Wände und der Boden um sie herum knirschten und ächzten, als sie das große Zahnrad drehte und dadurch die ganze Maschinerie zum Stillstand brachte. Kerstin wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete ihr Werk: Die Erde stand still. Sie hatte es getan. Sie hatte nie an Gott geglaubt, doch nun war sie selbst so etwas wie Gott. Die Gestalt, die ihr im Traum erschienen war, hatte recht gehabt. Sie hatte sie hierher geschickt mit dem Auftrag, die Zahnräder zu finden, die die Zeit in Bewegung halten. Nun standen sie still und die Zeit und die Welt hielten den Atem an. 

„Du kannst alles ändern, was du möchtest, aber du hast nur wenig Zeit. Die Räder setzen sich nach 10 Minuten wieder in Bewegung und eine zweite Chance gibt es nicht“, hatte die Gestalt ihr gesagt. 
Kerstin setzte sich neben den großen Hebel, der in Zeitlupe wieder in seine ursprüngliche Stellung zurückzugleiten begann. Was sollte sie ändern? Und wie? 

Wäre es nicht toll, wenn es keine Kriege mehr gäbe? Poof! Sie sah es nicht, sie hörte es nicht, aber sie spürte es. Die Kriege wurden beendet. So einfach war das? 

Nationen sind doch überflüssig, warum sind wir nicht alle ein Volk? Poof! Auch das trat ein. 

Wenn wir schon eine Nation sind, warum sprechen wir dann nicht alle die gleiche Sprache? Poof! Das Sprachengewirr auf der Erde nahm ein jähes Ende. 

Wäre es nicht wunderbar, wenn alle Tiere auf der Erde frei und artgerecht leben könnten und der Mensch sie nicht mehr quält? Poof! Schlachthäuser, Pelzfarmen, Versuchslabore verschwanden. 

Der Hebel bewegte sich immer weiter auf seine ursprüngliche Position zurück, ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Es fiel ihr schwer, noch weitere Fragen zu formulieren. Was müsste noch geändert werden? 

Dann fiel ihr ein: Der Mensch war es, der die Erde am meisten bedrohte. Wäre es nicht am besten, wenn es ihn gar nicht erst gäbe? 

Rrrrummsss! Es war vorüber, ihre Zeit war abgelaufen. Sie schlug die Augen auf und fand sich in ihrem Bett wieder. Hastig stand sie auf und starrte aus dem Fenster auf die Straße. Alles sah aus wie immer, nichts hatte sich verändert. 

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© 2019 by Mona Silver