• Mona Silver

LLC 2018

Die LLC 2018 war meine dritte Love Letter Convention in Folge. Die Veranstaltung findet jährlich in Berlin statt und bringt Autorinnen, Bloggerinnen und Leserinnen von Liebesromanen für zwei Tage zusammen, um sich miteinander auszutauschen. Dass ich nur die weibliche Form der Teilnehmerschaft nutze, hat auch damit zu tun, dass sich der Anteil an Testosteron auf dieser Veranstaltung im Wesentlichen auf die Security-Leute und die gelegentlichen Auftritte von Cowboys, Schotten oder Bräutigamen beschränkt. Sicher gibt es auch den ein oder anderen männlichen Teilnehmer ohne konkrete Aufgabe, aber sie sind stark in der Unterzahl. ;)


Schon früh hatte ich mir ein Ticket für die diesjährige Convention gesichert, denn jedesmal ist die Veranstaltung wie ein großes Klassentreffen. Je länger man dabei ist, umso mehr Buchmenschen lernt man kennen und umso mehr wird ein Besuch zum "Nachhausekommen". Viele reisen von weit her extra für die LLC an und nehmen Kosten und Strapazen auf sich, um hier an Meet & Greets, Panel Diskussionen und Workshops teilzunehmen, um signierte Exemplare von geliebten Büchern zu ergattern oder einfach nur, um ihren Lieblingsautorinnen nahe zu sein.


Ich selbst bin zwar nicht als offizielle Autorin dort, aber trotzdem ist das, was ich aus der LLC an Erfahrungen und Erlebnissen ziehe, etwas ganz anderes als das einer Bloggerin. Beide Gruppen werden gleichermaßen bedient und in den Pausen trifft man sich, um sich miteinander auszutauschen.


Love Letter Academy


Zum ersten Mal fand in diesem Jahr neben der bekannten Love Letter Convention am Samstag und Sonntag auch die Love Letter Academy am Freitag zuvor statt. Die Veranstaltung war auf 100 Teilnehmerplätze für Fachpublikum beschränkt. Ich gehörte zu den Glücklichen, ein Ticket für die LLA zu ergattern und ich kann nur sagen: Es hat sich gelohnt!


Das Programm war vielfältig und nicht unähnlich den Workshops während der LLC, aber eben viel mehr auf diejenigen von uns ausgerichtet, die selbst schreiben (oder lektorieren, oder verlegen) und dank der begrenzten Teilnehmerzahl verlaufen die Kurse eindeutig ruhiger und intensiver.


Ich habe an zwei jeweils 1,5 Stunden dauernden Workshops teilgenommen: "Editing und Polishing" mit Nalini Singh und "Klischees in Liebesromanen" mit Emily Bold. Wer sich im Genre Liebesroman und Romances auskennt, der weiß, dass beides große Namen sind und für mich war besonders der Workshop mit Nalini Singh ein wahrgewordener Traum!


Nalini Singh: Editing und Polishing


Nalini Singh, die Autorin zahlreicher Paranormal Reihen, lebt in Neuseeland und ist sowohl in der New York Times als auch in der USA Today schon mehr als einmal in den Bestsellerlisten an der Spitze gewesen. Ihr Umgang mit der englischen Sprache ist einzigartig und sie vermittelt ihre Liebe zum Spiel mit den Worten gerne und geschickt. Wie genial ist es also, dass ich, Mona Silver, in einem Raum mit ihr sitze und sie mit mir über die Arbeit an Manuskripten spricht? So von Kollegin zu Kollegin! Ich glaube, mein Englisch, mit dem ich mich vorgestellt habe, hatte ungefähr das Niveau einer Sechstklässlerin, was aber nicht an mangelnden Englischkenntnissen lag, sondern an meiner Aufregung. Sie hat mich trotzdem verstanden und uns Teilnehmerinnen mit wirklich guten Tipps und Tricks versorgt. Ich klebte sozusagen an ihren Lippen. Mit ihrer natürlichen und überhaupt nicht abgehobenen Art hatte man schnell den Fakt verdrängt, dass sie an der Spitze irgendwelcher Bestsellerlisten steht und man eigentlich vor Ehrfurcht erzittern wollte. Stattdessen fühlte man sich schon bald wie eine Autorin unter Autoren. :)


Da ich nicht alle ihre Hinweise und Tipps wiedergeben kann, habe ich euch ein paar ihrer Zitate aus dem Workshop mitgebracht:


"Change the PoV to the character that has the most to lose."
"No words for no reason! Be aware what the scene is adding to the story."
"Make your characters real, give them flaws and personality."
"A smaller cast is easier to handle."
"To help readers memorize an unimportant secondary character, give them a memory shortcut by making them special, i. e. let them wear a bow tie."
"Your goal is to make nothing boring."
"Polish your last paragraph. It's going to stick!"

Nalini Singh ist Autorin der Reihen Psy/Changeling, Guild Hunter, Rock Kiss und Hard Play.


Fun fact, den sie während des Workshops verriet: Ihre Psy/Changeling Reihe besteht aus bislang über 1,7 Millionen Worten in über 20 Bänden.


Emily Bold - Klischees in Liebesromanen


Der nächste Workshop fand unter der Leitung von Emily Bold statt, die als Selfpublisherin schon bald nach der Einführung dieser Möglichkeit in Deutschland die Gelegenheit beim Schopf packte und seither einen Bestseller nach dem anderen schreibt. Auch Emily ist trotz ihres Erfolgs am Boden geblieben und vermittelte zum Thema "Klischees in Liebesromanen" ein realistisches Bild, das vor allem an den gesunden Menschenverstand appellierte.


Auch hier habe ich ein paar Zitate mitgeschrieben, die ich mit euch teilen will:


"Klischees funktionieren heutzutage vor allem dann, wenn es einen Wendepunkt gibt."

-> Es funktioniert also vor allem dann, wenn das Klischee auf kreative Art und Weise im Laufe der Geschichte gebrochen wird."

"Klischees sind kommerziell erfolgreiche Bilder, die aus Lesererwartungen entstanden sind."
"Gut verpackt ist ein Klischee hilfreich, um Lesererwartungen zu erfüllen."
"Die Wahrnehmung von Buchbloggern und Lesern sind unterschiedlich."

-> Der normale Leser liest in der Regel weniger, wodurch er sogenannte Klischees oft gar nicht erkennt oder sie zumindest nicht als überbeansprucht empfindet.


Emily Bold ist Autorin von über 20 Büchern, die sie mit großem Erfolg sowohl als Selfpublisherin als auch Verlagsautorin veröffentlicht hat.


Ein wirklich interessanter Vortrag, der aber leider viel zu kurz war und darum das Interesse für den Selfpublishing Day geweckt hat, war auch "Selfpublishing von A-Z" von Lutz Kreutzer.


Love Letter Convention


Die folgenden zwei Tage standen unter dem bereits bekannten Zeichen der Love Letter Convention, die viel mehr Menschen vereinte und dementsprechend auch einiges an Gedränge versprach und hielt. Trotzdem ist diese Veranstaltung keinesfalls mit einer Messe wie LBM oder FBM zu vergleichen - es bleibt familiär und nach drei Jahren ist es mittlerweile ein bisschen wie ein Klassentreffen. Man lernt immer mehr Buchmenschen kennen und freut sich, sie wiederzusehen. Oder man trifft endlich mal die Gesichter zu den Namen auf Facebook und kann sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten. Jedes Jahr habe ich bislang auch jemand anderen kennengelernt, den ich in meiner Freundesliste nicht mehr missen möchte. In diesem Jahr möchte ich an dieser Stelle ganz besonders Saskia Louis, Angela Aiden und Nadin Hardwiger erwähnen. Es hat richtig Spaß gemacht mit euch, Mädels. :)


Als das Programm dieses Jahr veröffentlicht wurde, muss ich zugeben, dass ich zunächst nicht wusste, ob ein weiteres Jahr LLC nicht langsam langweilig werden würde. Die Workshops ändern sich zwar von Jahr zu Jahr, aber nach mittlerweile fast fünf "Buchjahren" bräuchte man tiefer gehende Informationen, als das in der kurzen Zeit möglich ist.


Was ich nicht ahnte war, dass die Lösung viel einfacher ist, als man denkt: Es gibt nämlich für jedes Stadium eines Autoren die richtigen Programmpunkte! Und so stellte ich nach kurzer Zeit fest, dass ich mittlerweile viel mehr aus den Panel Diskussionen mitnehme als aus den Workshops. Autorinnen zuzuhören, die es "geschafft" haben und bereits an einem Punkt sind, wo man sich selbst noch hin wünscht, ist motivierender als der drölfzigste Workshop über die perfekte Sexszene. Zu hören, dass selbst die Erfolgreichen noch an sich zweifeln, dass sie eigentlich ganz genauso ticken wie man selbst, dass sie mit den gleichen Problemen und Hindernissen zu kämpfen haben, dass sie die gleiche Freude über positiven Leserkontakt empfinden und die gleiche Angst vor der Veröffentlichung eines neuen Buchs haben, das hilft einem selbst, sich nicht so ernst zu nehmen. Und nicht zu verzweifeln, wenn es mal nicht so gut läuft.


Nicole Leclercq war dabei für mich persönlich ein besonderes Highlight, obwohl ich sie bis dahin noch gar nicht kannte. Im Programmheft der LLC stand, dass sie vor einigen Jahren selbst als Leserin bei der LLC dabei war und nun als Selfpublisherin einer Dark Vampire Romance zum ersten Mal bei den offiziellen Autoren auf der Bühne saß. Sie kann noch nicht vom Schreiben leben, aber sie ist auf einem guten Weg. Die Tatsache, dass sie genauso scheu im Umgang mit Lesern wirkt, wie ich es bin und sie ihe Zurückhaltung überwindet, ihre erste Lesung gehalten und Interviews gegeben hat, das hat mir selbst Mut gemacht. Sie reist von den USA extra dafür nach Berlin und stellt sich der Herausforderung. Ich habe mich ein wenig selbst in ihr erkannt - an einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben, wenn ich es vielleicht und hoffentlich langsam aber sicher doch immer weiter geschafft haben könnte. Immer noch auf dem Weg zur Spitze schnuppert sie ein wenig von der Luft der "Berühmten" und es war einfach schön zu sehen, dass sie alle doch auch nur Menschen sind.


Ebenfalls erwähnen möchte ich außerdem noch eine Autorin, die mir durch ihren herrlichen Humor und ihr natürliches Auftreten besonders gut gefallen hat: Emmy Abrahamson. Ihr Buch "Wie ich mich auf einer Parkbank in einen ungewaschenen Mann mit sehr braunen Augen verliebte" will ich schon allein deshalb unbedingt lesen, weil mir ihr Humor so gefiel.


Statt mich dieses Jahr also als Autorin weiterzubilden, habe ich die LLC eher als Motivationsquelle genutzt und werde in der nächsten Zeit wohl noch eine ganze Weile auf dieser Welle reiten und sie hoffentlich für das aktuelle Schreibprojekt, dem dritten Band meiner Bo'othi-Reihe ausnutzen.


Das Ticket für das nächste Jahr wird jedenfalls ohne Zögern besorgt! LLC forever! <3


Zwei, die sich auf Anhieb verstehen: Saskia Louis und Mona Silver

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