• Mona Silver

LoveLetter Convention, Berlin

Vom 1. bis 2. Juni 2019 fand zum 8. Mal die LoveLetter Convention statt.

Für mich war es die vierte, aber zum ersten Mal war ich keine Besucherin, sondern offiziell als Gastautorin dabei.


Die vergangenen Monate waren eine emotionale Achterbahnfahrt. Seit ich wusste, dass ich als Gastautorin bei der LLC dabei sein würde, war ich in gleichmäßigen Wellen wahlweise völlig geflasht oder komplett überfordert. Wie oft ich mich in der Zeit gefragt habe, was ich mir bei der Anmeldung wohl gedacht hatte, kann ich gar nicht mehr zählen. Größenwahnsinn und Überschätzung kamen mir in den Sinn. Allein beim Anblick der illustren Gästeliste der LLC blieb mir der Atem weg! Aber wenn ich A sage, sage ich auch B. Ich würde das durchziehen, komme was wolle!


Samstag - Über den eigenen Schatten springen


Am Samstag, den 1. Juni war es dann soweit. Mir klopfte das Herz wie wild in der Brust, als ich vollgepackt mit Goodie-Tüten und Büchern für die "BuchBox", dem Buchverkauf auf der LLC, in der Karl-Marx-Allee ankam. Die LLC hatte eine neue Location, die für mich persönlich jedenfalls die Anreise erleichterte. Was mir durchaus gefiel, denn bei schon morgens fast 30°C in Berlin war ich dankbar, mein schweres Gepäck nicht noch kilometerweit herumschleppen zu müssen.


Das waren meine Termine

Der Einlass hatte schon begonnen und so war der Start etwas chaotisch, bis ich die Reihe für die Autorinnen gefunden hatte und vermutlich jedem, dessen Weg ich bis dahin gekreuzt war, einmal mit meinem Koffer über die Füße gerollt war. An dieser Stelle: Bitte entschuldigt! Es war keine Absicht! Danke, dass Ihr es stillschweigend ertragen habt! <3 Meine "Assistentin" für das Wochenende, Charlotte da Silva, war mir eine große Hilfe bei der Suche nach dem Aufenthaltsraum für die Autorinnen und Verlagsmitarbeiter. Überhaupt, ohne sie hätte ich das nicht geschafft! Danke noch einmal für die seelische und tatkräftige Unterstützung während des gesamten Events, meine Liebe!


Nachdem ich meine Bücher in der BuchBox abgegeben hatte, kam auch schon mein erster öffentlicher Auftritt als Autorin der LLC in großen Schritten auf mich zu: Die Lesung.


Ich hatte noch nie vor Publikum gelesen, wohl aber im stillen Kämmerlein, um mein Buch SternRegen selbst zu vertonen und als Hörbuch auf SoundCloud anzubieten. Ich war erstaunt, wie viele Leute schon da saßen. Das freute mich, änderte an meiner Nervosität aber erst Mal nichts. Im Gegenteil. Aber wie heißt es so schön? Man wächst an seinen Aufgaben und so begann ich aus SternRegenSplitter zu lesen. Und als die Zuhörerinnen und Zuhörer bei der ersten dafür ausgelegten Stelle lachten, war ich im 7. Himmel! Das wunderbare Gefühl, so ein direktes Feedback zu erhalten, an der Reaktion der Leute zu erkennen, ob und wie es ihnen gefällt ... - ich glaube, das kann süchtig machen! Und so ließ meine innere Panik immer mehr nach und ich brachte die Lesung ohne größere Versprecher hinter mich. Meine Hände zitterten und meine Knie waren butterweich, als ich den Raum verließ, aber gleichzeitig jubelte ich innerlich.


Ohne Pause ging es weiter ins Blind Date. An drei Tischen saßen jeweils fünf Leserinnen (ein Mann war hier nicht dabei) und die drei anwesenden Autorinnen wechselten nach vorgegebenen Zeiten die Tische. In kürzester Zeit durften wir den Leserinnen, die vorher nicht gewusst hatten, wem sie hier begegnen würden, von uns und unseren Büchern erzählen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch, bei welchen Themen die Augen meiner Zuhörerinnen zu leuchten begannen und bei welchen Erzählungen sie eher verwirrt drein schauten. Die perfekte Gelegenheit, den sogenannten "Elevator Pitch" zu üben, also die Zusammenfassung der eigenen Geschichte, die nicht länger als eine gemeinsame Fahrstuhl-Fahrt dauert, um die Begleitung vom Buch zu überzeugen.


Der nächste Termin war noch etwas hin und so zog ich mich kurz in den Aufenthaltsraum zurück, um die Aufregung sacken zu lassen. Doch lange hielt es uns dort nicht auf den Stühlen, lieber suchten wir im Rosengarten nach einem schattigen Plätzchen. Wie immer hatte die Atmosphäre der LLC etwas ganz besonderes, je öfter man dort ist, umso mehr Buchmenschen lernt man kennen und irgendwie ist es wie ein großes Klassentreffen. Eine weise Entscheidung war es übrigens, schon kurz nach zwölf am Foodtruck etwas zu essen zu bestellen, denn danach wurde die Schlange dort immer länger und - wie ich hörte - war auch das Gemüsecurry schnell ausverkauft.


Um 14.00 Uhr ging es mit einem englischsprachigen Panel weiter. Gemeinsam mit Julia K. Stein, Ella Quinn, Cathy Maxwell und Monica James diskutierten wir die Frage: "Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, wenn Autoren über Sex schreiben". Es war "hilarious", mein nach so vielen Jahren etwas eingerostetes Englisch schien noch zu funktionieren und meine Gesprächspartnerinnen waren einfach umwerfend nett, witzig und liebenswert. Wir hatten so einen Spaß zusammen, dass die Zeit wie im Fluge verging.

v.l.n.r.: Ella Quinn, Cathy Maxwell, Mona Silver, Monica James

Gleich im Anschluss an das Panel fand im Rosengarten ein Meet & Greet statt. Ein bisschen Angst hatte ich davor, denn meine Bekanntheit steckt noch in den Kinderschuhen und ich wollte nicht wieder einsam an einem Tisch voller Lesezeichen und Goodies sitzen. Aber, auch hier ist die LLC etwas ganz besonderes: Den Leserinnen und Lesern ist es hier völlig egal, ob man berühmt ist oder nicht. Man hat einen Liebesroman geschrieben und darum ist man gern gesehen. Ich hinterließ mein Autogramm auf den beliebten LLC-Taschen, auf Lesezeichen, in Büchern, auf Fotos und Alben und war einfach nur völlig überwältigt von denen vielen interessierten Menschen, die sich für mich Zeit nahmen. <3

Questions & Answers mit Inka Loreen Minden

Das Programm ging Schlag auf Schlag weiter. Der nächste Programmpunkt lautete "Q & A mit Inka Loreen Minden". Inka aka Monika Dennerlein kenne ich schon etwas länger über Facebook, aber wir hatten uns bis dato noch nie persönlich getroffen. Sie hatte die

Q & A mit mir initiiert und das Gespräch war einfach herrlich locker und unaufgeregt. Wir stellten uns gegenseitig Fragen, beantworteten aber auch Fragen aus dem Publikum. Es ging neben vielen anderen Themen darum, wann wir schreiben, welche Stimmung wir dazu benötigen oder ob unsere Familien Verständnis für unsere Schreiberei haben.


Danach hatten wir Zeit bis 18.00 Uhr, wenn das Bloggertreffen starten sollte. Ich kühlte mich im temperierten Aufenthaltsraum kurz ab und unterhielt mich mit den anderen Autorinnen, die dort gerade ebenfalls eine Pause machten. Ella Quinn erzählte viel aus ihrem mehr als spannenden Leben und davon, dass sie erst mit über 50 zu schreiben begonnen hatte. Jetzt fühlte ich mich plötzlich gar nicht mehr so alt, habe ich selbst doch "schon" mit 40 angefangen. ;)


Überhaupt fühlte ich mich zu jedem Zeitpunkt absolut gleichwertig, ich wurde in der Mitte der erfahrenen Autorinnen so selbstverständlich aufgenommen, dass es meinem Ego einen enormen Boost verpasste. Hatte ich mir zu Anfang noch Sorgen gemacht, nicht akzeptiert oder anerkannt zu werden? Jetzt wusste ich nicht mehr, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen war, so zu denken! Wir alle sind Autorinnen aus Leidenschaft, die mit Herzblut und Schweiß Geschichten schreiben. Egal wie viele Bücher jede einzelne von uns schon geschrieben hat, egal wie viele Leser und Leserinnen wir erreicht haben bis jetzt, auf der LoveLetter Convention waren wir alle gleich: Wir genossen die Möglichkeit, so dicht an unsere Leserinnen und Leser zu kommen, wie sonst nie. Nirgends sonst hat man so unmittelbares Feedback, sieht, wann und womit man den Geschmack des Publikums trifft. Was sie zum Lachen oder auch zum Weinen bringt. Die größte Herausforderung als Autorin war es für mich schon immer, herauszufinden, wie die Leserinnen das finden, was ich tue, sage, schreibe. Die meiste Zeit ist man in den sozialen Medien unterwegs, auch dort erhält man Reaktionen, aber es ist etwas ganz anderes, diese von den Menschen persönlich zu sehen, zu hören und sogar zu spüren.


Nach dem Bloggertreffen war ich völlig k.o., aber rundum zufrieden mit dem Tag. Alles hatte funktioniert, nirgendwo habe ich mich blamiert oder herumgehaspelt. Der zweite Tag konnte kommen!


Sonntag - Mein Angstfeind "Workshop"


Am Sonntag hatte ich morgens noch einiges für den anstehenden Workshop vorzubereiten - vor allem mich selbst - und so kam ich erst gegen halb elf zur LoveLetter Convention. Mein Workshop hieß "Romantische Buchszenen - Ein Entstehungsprozess" und das war einer dieser Punkte, bei denen ich mich in den vergangenen Monaten des öfteren gefragt hatte, was mich geritten haben mochte, so etwas anzubieten. Ich hab das noch nie gemacht! Würden die Leute sich nicht veräppelt vorkommen? Und würde ich das überhaupt halbwegs strukturiert hinbekommen? Was, wenn das Thema nicht ankäme oder die Teilnehmer sich was ganz anderes darunter vorstellten? Die Angst fraß an mir, aber Charlotte hat mich seelisch gestärkt und war beim Workshop an meiner Seite. <3


Als wir den Raum betraten, waren bereits mehr Leute dort, als ich überhaupt erwartet hatte und es wurden immer mehr. Am Ende waren es über 20 Teilnehmer. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl änderten wir den Ablauf des Workshops noch einmal kurzfristig, ansonsten wären wir mit der Zeit gar nicht hingekommen. Ich startete damit, mich kurz vorzustellen und meine nassen Handflächen an meiner weißen Hose abzuwischen. Und Vanille-Muffins zu verteilen. Mit Süßkram wollte ich mich in die Herzen meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer (ja, da war auch ein Mann dabei!) schleichen. Liebe geht ja durch den Magen, heißt es. ;)


Dann fragte ich in die Runde, was sie in Buch- oder Filmszenen besonders romantisch fänden und sortierte die Antworten in die drei Kategorien "Orte", "Handlungen" und "Dekorationen" ein. Anschließend las ich eine kurze romantische Szene aus SternRegenSplitter vor, damit sich jeder vorstellen konnte, wo wir ungefähr hinwollten. Nun teilten wir die Teilnehmer in drei Gruppen auf, jeder Gruppe wurde eine Kategorie zugewiesen, für die sie "Zutaten" sammeln sollten. Jede der drei Gruppen sollte anschließend ihre Ideen an die nächste Gruppe weiterreichen, die daraus jeweils drei Favoriten auswählten. Aus den übrig gebliebenen "Zutaten" wurde dann für jede Kategorie durch Abstimmung ein gemeinsamer Favorit ausgewählt. Diese Auswahl wird in einem meiner nächsten Bücher in einer romantischen Szene vorkommen, was bedeutet, dass ich meine Protagonisten im Winter in eine Holzhütte nach Skandinavien schicken muss. Was sich schon sehr romantisch anhört. Sie müssen aber auch noch einen ungeschickten Unfall erleiden, bei dem sie sich gegenseitig helfen. Kein Problem! Die dritte Zutat sind Glühwürmchen. Ja, genau, Glühwürmchen. Im Winter. Aber selbst dafür habe ich schon eine Idee ... ;) Alle Teilnehmer des Workshops, die sich in eine Liste eingetragen haben, werden namentlich in der Danksagung des zukünftigen Buchs erwähnt und erhalten ein Exemplar, wenn es erschienen ist.


Meine Angst vor dem Workshop war völlig unbegründet gewesen, ich hatte das Gefühl, dass die meisten sich sehr gut unterhalten gefühlt hatten, viele holten sich auch noch ein Autogramm ab bevor sie weiterzogen zum nächsten Programmpunkt.

Der Workshop ist in vollem Gange. Heiße Diskussionen über die Zutaten für romantische Buchszenen.

Meine Assistentin Charlotte musste sich nun verabschieden, denn sie hatte schon den Geburtstag ihrer Mutter zur Hälfte verpasst, nur um mich beim Workshop am Sonntag noch zu unterstützen. Beste Freundinnen tun so was und ich bin Charlotte und der Frau Mama sehr dankbar, dass sie ein Einsehen hatten! <3


Mir stand nach kurzer Pause schon bald eine weitere Panel Diskussion bevor. Diesmal unterhielt ich mich mit Kerrelyn Sparks, Bianca Iosivoni, Mona Kasten, Inka Loreen Minden und Lara Adrian über das Thema "Paranormal Romance und Urban Fantasy - Wieviel Liebe braucht ein Fantasy Roman?". Wieder war es witzig ohne Ende und meine Mitstreiterinnen waren einfach Zucker.


Lara Adrian ist übrigens so etwas wie ein Vorbild für mich, jedenfalls haben ihre Bücher, die ich zu Anfang der 2000er quasi verschlungen habe, mich dazu inspiriert, selbst Geschichten zu schreiben. Es gab einen wunderbaren "Awww"-Moment, als ich ihr das nun persönlich sagen konnte. <3 Lara ist ein ganz wunderbarer, lieber Mensch und ich freue mich so sehr, dass ich sie kennenlernen durfte! Und als sie auch noch sagte, dass sie jetzt unbedingt Deutsch lernen wolle, um meine Bücher lesen zu können, war ich einfach nur glücklich. <3

v.l.n.r.: Kerrelyn Sparks, Bianca Iosivoni, Mona Kasten, Inka Loreen Minden, Mona Silver, Lara Adrian / Foto von Doreen Wiegand

Der nächste Programmpunkt des Tages für mich war dann die Signierstunde, bei der es von allen Autorinnen kostenlose Exemplare für die tapferen Leserinnen und Leser gab, die sich nicht scheuten, in einer schier endlosen Warteschlange bei über 30°C im Schatten anzustehen, um pro Durchgang jeweils drei Bücher zu ergattern. Eine Zeitlang hatte ich wirklich Angst auf meinen 100 Signierexemplaren von SternRegenSplitter sitzen zu bleiben. Aber natürlich kann ich jeden verstehen, der sich erst einmal auf die Bücher der großen Stars wie L. J. Shen oder Poppy J. Anderson stürzt. Trotzdem fragte ich mich besorgt, wie um alles in der Welt ich diesen Riesenhaufen Bücher später in der U-Bahn nach Hause schleppen sollte. Was ich nicht erwartet hatte war, dass sich die unermüdlichen Fans immer und immer wieder neu anstellten und auch dem letzten Buch noch ein neues Zuhause boten. Ich bewundere euer Durchhaltevermögen und eure Opferbereitschaft und wünsche allen, die eines meiner Bücher "adoptiert" haben, ganz viel Spaß damit! <3


Der Abend ist beim Essen zusammen mit anderen Autoren und dem Organisationsteam der LLC perfekt ausgeklungen. Es war genau der richtige Rahmen, um all die Eindrücke, die man während dieses mega-intensiven und absolut lohnenswerten Wochenendes gesammelt hat, mit den anderen zu teilen. Es war toll, auch hier noch einmal mein großes Vorbild Lara Adrian ganz privat zu erleben und ihr und ihrem Mann zuzuhören, als sie von Anekdoten aus ihrem Leben berichteten. Eines sagte ihr Mann John zu uns beiden, als wir uns gerade verabschiedeten: "What you guys never seem to realize is that you are very special to your readers." Ich sah Lara an, die ihm faszinierenderweise einen ebenso ungläubigen Blick wie ich zuwarf und realisierte zum ersten Mal, dass es vermutlich keine Zeit im Laufe einer Autorenkarriere gibt, in der man nicht von Unsicherheiten geplagt ist. Dass es keine Stufe in der Erfolgsskala gibt, in der man sich selbst nicht als das sieht, was man für die Leserinnen und Leser ist, egal wie wenige oder wie viele man schon erreichen konnte. Also war meine Antwort auf diese simple, aber sehr treffende Aussage: "I know both sides. Lara was for me as a reader always special. And I can see that it might be the same for my readers. Although I still can't wrap my head around that. It humbles me and I am feeling honored."


Das war das LoveLetter Convention Wochenende - aus der Sicht einer Autorin, die sich vielleicht gerade erst so richtig als Autorin wahrzunehmen beginnt. Selbst wenn ich im Ergebnis kein einziges Buch verkaufe, ist es das Erlebnis an sich, das ich für immer mitnehme. Das Wochenende, die Menschen, die Erlebnisse, die Erfahrungen, das kann mir niemand mehr nehmen!


Mein ganz großer Dank geht auch noch einmal an die Organisatoren und freiwilligen HelferINNen des Events! Das war einfach nur großartig und bei keinem Event hatte ich bislang je das Gefühl, so sehr Teil einer kleinen großen Familie geworden zu sein wie bei euch!


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© 2019 by Mona Silver