Ich schaue durch ein Schlüsselloch und seh...

Ich schaue durch das Schlüsselloch des alten Schuppens und sehe erst mal nichts. Es ist dunkel darin und ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr hier. Hätte längst mal aufräumen sollen, aber wie das immer so ist, keine Zeit, keine Lust, besseres zu tun... Als ich vor ein paar Minuten zufällig daran vorbei kam, um den Rasenmäher zu holen, hörte ich es rumpeln. Laut schepperte etwas und kurz darauf raschelte es. Hab ich mich erschrocken! Vielleicht hat sich ein Einbrecher dort verbarrikadiert? Oder ein Penner, der dort schon seit Monaten übernachtet? Und ich habe es nicht gemerkt! Mitten in meinem eigenen Garten! 

Ich hole tief Luft und schaue noch einmal hindurch. Vorsichtig, damit ich nicht entdeckt werde. Mir bleibt die Luft weg, als mir plötzlich ein gelbes Auge entgegenstarrt! Die Pupille ist zu einem Schlitz zusammengezogen und dann scheppert und kracht es wieder. 

Mein Herz pocht wild und ich merke, dass ich auf dem Boden sitze. Glatt umgefallen bin ich vor Schreck. In der Hand halte ich die Türklinke, vor mir die geschlossene Tür mit einem Eisenbolzen dort, wo vorher noch die Klinke steckte. Oh Mist! Das Ding war früher schon kaputt, aber nun hatte ich es wohl endgültig geschafft, den Griff abzureißen. 

Hastig rase ich ins Haus und hole den Werkzeugkoffer. Ich versuche es mit einer Zange, aber ich gleite immer wieder am dem Bolzen ab. Einen Schlüssel gibt es schon seit Ewigkeiten nicht mehr für den alten Schuppen, aber trotzdem ist er abgeschlossen. Ich wollte schon längst mal danach gesehen haben. In einer ruhigen Minute. Wieder kracht und scheppert es. Ein Fauchen ist zu hören. Ich werde langsam panisch. 

Ich nehme einen Hammer und prügele damit auf den Bolzen ein, aber er bewegt sich nicht. Was mache ich hier eigentlich? Als Einbrecher hätte ich definitiv keine blühende Karriere vor mir, ich kann ja nicht mal in meinen eigenen Schuppen einsteigen... 

Ein Brecheisen muss her. Hab keins. Mist. 

Also versuche ich es wie im Film und ramme mit ganzer Kraft meine Schulter gegen die Tür. Hau Ruck! AUTSCH! Verdammt tut das weh. Und drinnen wieder ein lautes Rumsen. Irgendetwas fällt um und landet klirrend auf dem Boden. 

Ich trete mit dem Fuß gegen die Tür und, welch ein Wunder, sie gibt tatsächlich nach! Das habe ich wohl nur den verrosteten Türangeln zu verdanken, denn nun hängt sie schief im Rahmen und braucht definitiv mehr als einen Schlüsseldienst, um wieder repariert zu werden. 

An mir vorbei schießt ein schwarzer Blitz durch den Spalt. Nicht ohne noch einmal kräftig zu fauchen. Im Inneren des Schuppens sehe ich Chaos. Das alte Geschirr, das ich für einen möglichen Polterabend aufheben wollte, hat das Poltern bereits hinter sich und liegt in tausend Scherben auf dem Boden. Das Regal, in dem es gestanden hat, liegt umgestürzt darüber. Ein alter Farbeimer ist umgefallen, die Farbe gottseidank längst vertrocknet. Ein paar Plastikmüllsäcke liegen zerfetzt im Raum verteilt und mir gegenüber an der Wand starren mich zwei glühende, gelbe Augen an. 

Wäre mein Herz nicht eben schon stehen geblieben, täte es das jetzt wohl wieder. Dort an einem Dachbalken gekrallt hängt eine riesige Fledermaus und stiert mich wild an! 

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© 2019 by Mona Silver